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In echten Scale-ups liegt die Zukunft

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21.01.2020

INiTS CEO Irene Fialka erklärt, warum die Vienna Region vor allem für digitale Gesundheits-Start-ups zum beliebten Umschlagplatz wird.

Seit mittlerweile 17 Jahren greift der Hightech-Inkubator INiTS in der Vienna Region GründerInnen mit wachstumsorientierten Ideen unter die Arme und belebt damit die heimische Start-up-Szene. INiTS bietet neben Startkapital und einem dicht gesponnenen Partnernetzwerk vor allem maßgeschneiderte Beratungsleistungen. INiTS-Geschäftsführerin Dr. Irene Fialka zieht ein Fazit und zeigt anhand erfolgreicher Jungunternehmen auf, wie Wien international als Hotspot immer bedeutender werden kann.

Irene Fialka ©© INiTS

 

Wie hat sich INiTS seit der Gründung vor mittlerweile 17 Jahren verändert und weiterentwickelt?

Irene Fialka: Als INiTS 2002 startete, gab es weder den Begriff Start-up, noch ein existierendes Ökosystem. Wir mussten den Entrepreneurship-Gedanken erst in die akademischen Einrichtungen tragen. Heute wird Unternehmertum durch Unis und FHs selbst getrieben. Mit dieser Wandlung hat sich natürlich auch unser Angebot verändert. Während wir in den Anfängen Gründeraktivitäten prämierten, liegt unser Fokus inzwischen auf der Betreuung ausgereifter und skalierbarer forschungs- und technologiegetriebener Geschäftsideen. Das ist unser Kerngeschäft.

 

INiTS gilt als einer der besten akademischen Inkubatoren. Worin liegen die Erfolgsfaktoren?

Irene Fialka: Laut der schwedischen Forschungsinitiative UBI Global ist INiTS seit vielen Jahren unter den TOP-20 Inkubatoren weltweit. 2018 platzierten wir uns in der Kategorie „Affiliated with Universities“ weltweit auf Rang sechs. Im DACH-Raum sind wir nach wie vor die Nummer 1. Verschiebungen in der weltweiten Platzierung sind v.a. darauf zurückzuführen, dass immer mehr Universitäten Business-Inkubatoren anbieten und viele der Mitstreiter nicht nur reine Inkubatoren sind, sondern auch die Brücke zu Lehrveranstaltungen schlagen. Zudem haben etwa asiatische Acceleratoren und Inkubatoren tw. ein deutlich höheres Budget. Dadurch kommen sie auf andere Ergebnisse. Unser Erfolg hängt sicher mit der gut ausdifferenzierten Landschaft in Österreich zusammen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Wir nehmen an den Rankings teil, um uns mit den besten Acceleratoren und Inkubatoren zu vernetzen und von anderen zu lernen. Es ist wichtig, über den Tellerrand zu schauen. Wir blicken von Singapur bis Silicon Valley und analysieren, was davon in unser Ökosystem passen könnte.

 

Seit 2002 hat INiTS rund 240 Start-ups geholfen. Wie viele dieser Unternehmen sind auch heute noch aktiv?

Irene Fialka: Wenn es nur um die Überlebensrate geht, dann liegen wir bei rund 80 Prozent. Aber diese Zahl lässt sich nicht gleichsetzen mit Erfolg. Viele der Start-ups sind kleiner geblieben als ursprünglich erhofft. Das ist durchaus legitim, weil sie trotzdem Arbeitsplätze schaffen und nicht jedes Unternehmen wachsen kann. FTI-Startups sind eben Risiko-Geschäft. Grundsätzlich sind wir jedoch im Sinne unserer Auftraggeber an echten Scale-ups interessiert, also Unternehmen, die überdurchschnittlich schnell wachsen. Statistisch gesehen ist die Überlebensrate bei inkubierten Start-ups wesentlich höher als bei nicht-inkubierten. Die Wachstumsrate ist sowohl Umsatz als auch Mitarbeiter betreffend höher. Nicht-inkubierte Start-ups machen zwar tendenziell früher Umsatz, der aber mittel- und langfristig nicht nach oben skaliert, sondern eher abflacht. Das hat die Programmevaluierung im Auftrag des bmvit vor einiger Zeit aufgezeigt.

 

Kommen wir auf die Scale-ups zu sprechen. Welche der von INiTS begleitenden Start-ups würden als Best-Practice-Model zur Nachahmung dienen?

Irene Fialka: Erfolgreiche Unternehmen, wie Medicus AI, eines der jüngeren Beispiele, stechen natürlich hervor. Medicus AI hat eine Supportsoftware für Diagnostiklabore entwickelt. Das Wiener Unternehmen ist über das Vienna Startup Package der Wirtschaftsagentur Wien nach Wien gekommen, wächst vorbildlich und skaliert aktuell gerade Richtung China. Ein tolles Vorbild ist auch die Diabetes-Plattform MySugr, weil es wächst und für neue Arbeitsplätze sorgt – mit Headquarters in Österreich, aber auch international, denn aktuell baut MySugr seinen US-Standort aus. Ganz vorne bei den Best-Practices steht natürlich auch das Biotech-Unternehmen Marinomed, eines unserer erfolgreichsten Start-ups und das erste in unserem Portfolio, das sogar an die Börse ging. Marinomed ist aus mehreren Gründen ein außergewöhnliches Life-Sciences-Unternehmen; weil es ohne Venture Capital ausgekommen ist, weil es seine Produkte über ein weiteres österreichisches Unternehmen – Sigmapharm – herstellen lässt und drittens, weil es mit dem Nasenspray ein Endkundenprodukt auf den Markt bringt, welches das schwer fassbare Thema Biotechnologie für eine breite Masse greifbar macht. Auch aus dem Hardwarebereich gibt es gute Beispiele, wie etwa Lithoz, Weltmarktführer in der generativen Fertigung von Hochleistungskeramik – ein Vorzeigeunternehmen, dass die rot-weiß-rote Fahne im 3D-Druckbereich hochhält. Aber es sind viele Erfolgsbeispiele in unterschiedlichen Branchen, nur um einige zu nennen: Blue Danube Robotics, ECOP, Fluidtime, Lexogen, ondewo, Shpock, Themis, Tubolito, Ubimet, Zoovu.

 

Wie sieht es aus, wenn Scale-ups von Konzernen geschluckt werden?

Irene Fialka: Das schnelle Wachstum der Online-Marktplatz-Plattform Shpock des Start-ups Finderly ging durch die Medien und ist sicher ein Vorbild, aber letztlich ging Shpock im norwegischen Medienkonzern auf, weshalb ich das Design- und Softwareunternehmen Fluidtime für das bessere Beispiel halte. Es war einer der ersten Realtime-Daten-Verarbeiter in Österreich und mutierte zum führenden Anbieter von Mobilitätsinformationssystemen. Vor zwei Jahren wurde das Start-up von Kapsch gekauft, somit lebt die Technologie in einem österreichischen Konzern weiter. Und mit Ubimet, einem der größten privaten Wetterdienste der Welt, stieg mit Red Bull ebenfalls ein österreichisches Unternehmen bei einem Scale-up ein. Ich glaube, all diese Beispiele demonstrieren, wie vielfältig sich die heimische Start-up-Szene entwickelt.

 

Worin sehen Sie die Stärken der Start-ups aus der Vienna Region?

Irene Fialka: Die Vienna Region ist stark in der Interdisziplinarität. Wie die aufgezählten Beispiele demonstrieren, tut sich enorm viel an den Schnittstellen Life Sciences und IT, aber auch Hardware und Materialwissenschaft. In den Bereichen IKT, Life Sciences und Greentech bringt Österreich – und speziell Wien – weltweit einzigartige Unternehmen hervor. Sich in der Interdisziplinarität zu positionieren ist jedoch schwer – deshalb werden Städte wie Berlin international als Start-up-Hotspot stärker wahrgenommen, obwohl Wiens Start-up-Landschaft im Vergleich mit Berlin weitaus bunter ist.

 

Seit bald zwei Jahren sollen mit dem Accelerator-Programm Health Hub Vienna (HHV) Innovationen in der Gesundheitsökonomie gefördert werden. Wie gut gelingt das bisher und konnte Wien damit bereits internationale Blicke auf sich ziehen?

Irene Fialka: Wir haben es geschafft, gemeinsam mit unseren Partnern, allen voran unserem Launch-Partner Uniqa, einen internationalen Brand aufzubauen und spätphasigen Start-ups ein ausgezeichnetes Programm zu bieten. Neben einigen österreichischen Unternehmen gelang es uns, viele internationale Start-ups, die bereits einen Kundenstamm mitbringen, anzuziehen. Einzigartig ist unser Tempo. Im letzten Programm gelang es uns, innerhalb von drei Monaten tolle Initiativen zustande zu bringen, bei denen aufstrebende Start-ups gemeinsam mit unseren Partnern vielversprechende Projekte launchten. Der Health Hub Vienna hat sich international schneller einen guten Ruf erarbeitet, als wir das in unseren kühnsten Träumen erwartet hätten. Qualitativ immer hochwertigere internationale Start-ups wollen mit all ihren Stärken nach Wien, um von hier aus in Europa weiterzuwachsen. Für digitale Gesundheits-Start-ups ist die Vienna Region damit zu einem regelrechten Umschlagplatz geworden.

 

Wie gedeiht das INiTS-Netzwerk?

Irene Fialka: Da wir seit 17 Jahren aktiv sind, können wir ein dementsprechend großes Netzwerk bieten. Mit jedem Start-up wächst das Netzwerk um weitere Mentoren und Investoren. Zum Beispiel investieren die Gründer von MySugr, Shpock und Zoovu wieder in neue Start-ups. Wir haben Partnerschaften mit den besten Universitätsinkubatoren Europas. Davon profitieren die Start-ups in unserem Netzwerk. Die Szene wächst immer dynamischer. Insofern blicke ich sehr optimistisch in die Zukunft. Die Start-up-Szene in der Vienna Region ist auf einem guten Weg, auch wenn es noch genug zu tun gibt.

 

 

Das Interview wurde geführt von medienkomplizen / Christian Scherl

Foto: Irene Fialka: © INiTS


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